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Britischer Kommentar zur Reiselust der Deutschen (5. April 1984)

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Alles in allem knausern die Deutschen bei ihren Auslandsurlauben nicht. Der durchschnittliche Urlauber verbrachte 18,2 Tage im Ausland und gab pro Tag 71,80 DM aus. Statistisch gesehen wird das meiste Geld von deutschen Skandinavienurlaubern ausgegeben, die in der Regel jung, unverheiratet und weiblich sind. Diejenigen, die nach Jugoslawien gehen, sind im Gegensatz dazu vorwiegend jung und männlich; die nach Dänemark fahren, meist Familien oder Gruppen; und die nach Österreich reisen, ältere, regelmäßige Feriengäste.

Für die Daheimgebliebenen besitzt Bayern die größte Anziehungskraft. Doch auch das übrige Deutschland, ein Land, das sowohl von seinen eigenen Einwohnern als auch von Ausländern unterbewertet wird, ist ebenso eindrucksvoll und einen Besuch wert. Die Ausländer, die dies tun – weitaus weniger als die Zahl der ins Ausland reisenden Deutschen – sind hauptsächlich Holländer, die 21 Prozent der Deutschlandbesucher ausmachen.

Die russische Aristokratie geht nicht mehr nach Baden-Baden, und vermutlich ist das heutige Gegenstück, wo die Schicken und Eleganten einander sehen und gesehen werden, die lange, schmale Insel Sylt vor der dänischen Küste. Nur an den Stränden dort besitzt Deutschland noch einen geistigen Mittelpunkt, wo man die Stars von Bühne und Leinwand geistig und körperlich unbekleidet antrifft, während die Mehrheit ihrer Landsleute 1.000 Meilen weiter südlich ihre Haut hüllenlos der Sonne preisgeben.



Quelle: Michael Binyon, „Wanderlust spirit of 26m Germans“ [„Die Reiselust von 26 Mio. Deutschen“], London Times, 5. April 1984.

Übersetzung: Erwin Fink

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