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Maria Theresias Politisches Testament (1749-50)
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Fünften Abteilung

der aus diesfälliger neuer Einrichtung der Posterität zufließende Nutzen, da solches das einzige Mittel, die Monarchie zu befestigen und bei meiner Nachkommenschaft zu erhalten.

Wovon ein vieles zu melden umb so weniger nötig, als das vergangene Übel so umständlich vor Augen geleget, die Ersprießlichkeit der gegenwärtigen Verfassung sonnenklar bestärket. Dann gleichwie ohne Miracul nach jedermanns Erkanntnüß diese Monarchie bei vormaliger Zerrüttung, Confusion und Mißbräuchen sich nicht conservieret hätte, folglich selbte ihren Untergang stets vor Augen gesehen, also werden meine Nachfolger auch von selbsten begreifen, welchergestalten die von mir dermalen festgestellte Maßreguln und getroffene Einrichtung der einzige Mittelweg seie, sotane Monarchie in aufrechten Stande zu erhalten und auf meine Nachkommenschaft fortzupflanzen. Und hieraus ergibet sich in der


Sechsten Abteilung

die Notwendigkeit, solche festgestellte Einrichtungen zu Abwendung des eigenen Untergangs beizubehalten; betreffende aber die Maxime, deren sich meine Nachfolger zu dessen Erreichung zu gebrauchen haben, so vermag denenselben hierinfalls keinen andern Rat zu erteilen, als damit sie sich nicht leicht von jemand irremachen lassen mögen, weilen bei denen mehresten die Privatabsichten und das eigene Interesse die Ratschläge dirigieren. Ich selbsten würde bei der schon getroffenen und sehr nützlich befindenden Einrichtung durch so vielerlei mir beigebrachte Einstreuungen und Nachrichten irre gemacht worden sein, wann nicht alle äußerste Mühe angewendet, die Sachen in ihrer wahren Beschaffenheit durch mir beigelegte eigene Connaissance vollkommen zu penetrieren; eben darumen mich verbunden erachte, meine Nachfolger zu ersuchen, zu ihrem eigenen Besten und der Erhaltung der Monarchie und Länder in dieser meiner getroffenen Einricht- und Verfassung nichts abzuändern und solche viel mehr als ein Augapfel zu Abwendung ferneren besorglichen Übels zu conservieren. Zu diesem Ende aber sich dahin besonders zu bestreben, ehrlich- und taugliche Leute hierzu selbst auszusuchen, nicht minder junge Leute mit Fleiß nachzuziegeln, damit sich selbste von Jugend auf eine rechtschaffene Idee von dem Werk machen und durch ihren Eifer und Application sich in den Stand setzen, in der vorgeschriebenen systematischen Ordnung dem Landesfürsten und dem Publico treue, ersprießliche und ausgiebige Dienste werktätig zu leisten.




Quelle: Kaiserin Maria Theresias Politisches Testament. Herausgegeben von Josef Kallbrunner. Wien: Verlag für Geschichte und Politik, 1952, S. 25-73.

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