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Eine mutige Frau stiehlt die königliche Krone – Helene Kottannerin (ca. 1400-nach 1458)

Helene Kottannerin (ca. 1400-nach 1458) war es, die den ersten bekannten autobiographischen Text einer deutschsprachigen Frau verfasste. Sie wurde wahrscheinlich in Ödenburg (ungarisch: Sopron) als Tochter eines niederen Adligen geboren. 1431 heiratete sie Johann Kottanner aus Wien. Man vermutet, dass sie sich um 1436 bereits am Hofe von Albrecht II. von Habsburg, dem gewählten römisch-deutschen König (Regierungszeit 1438-39) und König von Ungarn (1437-39) aufhielt. Dort war Kottannerin Untertanin von Königin Elisabeth, einer Tochter Kaisers Sigismund (geboren 1368, Regierungszeit 1433-37). 1437 verlegte Albrecht seinen Hof nach Ungarn, wo er, seine schwangere Frau zurücklassend, 1439 starb. Der Sohn, den Elisabeth schließlich zur Welt brachte, ist infolgedessen als Ladislaus (ungarisch: Lázlá) Postumus in die Geschichte eingegangen.

Die unten abgedruckten Auszüge befassen sich vor allem mit der Rolle Helene Kottannerins im Bestreben von Elisabeth, die Krone für ihren neugeborenen Sohn zu sichern. Die Königin hatte entschieden, dass ihr Sohn so bald wie möglich gekrönt werden sollte, da eine einflussreiche Gruppe von Adligen inzwischen von ihr verlangte, den König von Polen zu heiraten. Als die Königin die Kottannerin bat, die sogenannte Stephanskrone als auch die anderen königlichen Regalien von der Plintenburg (ungarisch: Visegrád) zu stehlen, willigte diese ein und wagte mithilfe eines ungarischen Adligen einen Raubzug durch deren Schatzkammer. Der Raub ist Thema des ersten Auszuges. Der zweite berichtet von einem weiteren Höhepunkt in der Erzählung der Kottannerin. Sowohl mit dem Neugeborenen, das König werden sollte, als auch den königlichen Regalien im Gepäck machten sich Elisabeth und die Kottannerin auf eine gefährliche winterliche Reise nach Gran (ungarisch: Esztergom), der Kronstadt ungarischer Könige. Dort angekommen wurde das Kind aus der Wiege gehoben und vom Erzbischof zum König gekrönt. Auf diese Weise sicherte Elisabeth mithilfe der Kottannerin den Thron für ihren Sohn, der, obwohl letztlich als König anerkannt, nur vier Jahre lang regieren sollte, bis er 1457 siebzehnjährig starb.

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Do nü die recht zeit kam, an der got der almechtig seine wunderwerch würchen wolt, da schikchat vns got ainen man, Der sich willigat her aus gewẏnnen die Heiligen kron, vnd der was ain Vnger vnd was genant der . . . , vnd der gieng treulich, weislich vnd mëndlich mit den sachen vmb, vnd richttaten zü, was wir bedorften zu den sachen, Vnd nomen ettliche Slos vnd zwo feil. Der mit mir wagen wolt sein leben, der legt an ainen swarczen samedeinen pett rokch vnd zwen vilczschuech, vnd in ẏeden schuech stekchat er ain feil, vnd die Slos nam er vnder den rokch. Vnd ich nam meiner gnedigen frawn klains Sigel, vnd ich het dy slüssel zu der vordern tüer, der warn dreẏ, wann bey dem angel was auch ain keten vnd ain nërib, do het wir auch ain slos angeslagen, ee daz wir naher zugen, auf den sin, daz nÿmant anders ain slos da hin möcht geslahen, vnd do wïr nu berait wuerden, Do sandt meiner fraun gnad ainen poten ains vor an hin auf die Plintpurg, vnd tat dem purkgrafen vnd hern Francz von Pöker vnd Weitvilassla, die dẏe Junkchfraun die weil Inn heten, zu wissen, Daz si sich dar nach solten richten, wann der wagen këm, daz Si berait wëren zu faren gen Gumaren zu ïren gnaden, wann Si hiet müt her auf gen Prespurgk, vnd das het man allem Iërm Hofgesind angesagt. Do nü der wagen berait was, den man nach den Junkchfraun solt schikchen, vnd der Sliten, darauf ich faren solt, Vnd auch der mit mïr stünd in den sargen, Da schuef man vns zwen Vngrisch herren zue, die mit mir nach den Junkchfraun solten reiten. Wir fuern nü dahin.

Do kamen dem purkgrafen die mër, wie daz ich këm nach den Junkchfrawn. Des ward in vnd ander meiner frawn Hofgesind vast wunderen, daz man mich als verr aus liesz von meiner Jungen frawn, Wann Si noch Jung was, Vnd lies mich nicht gern von ïr, das westen Si all wol. Nu war der purkchgraue ain wenig krankch vnd het willen gehabt, er wolt sich zu der tür gelegt haben, da der erst ingank was zu der Heiligen kron. Da ward sich sein krankchait meren, als dann got haben wolt, vnd er torst dẏ knecht nicht da Hin legen, dar umb, daz es in dem frawnczimer was. Vnd legat ein leinein tüehel vmb das slos, das wïr bei dem angel heten angeslagen, vnd ain petschad dar auf.

Do wir nü komen auf die Plintenpurg, die Junkchfrawn waren froleich, daz Sy zu meiner frawn gnaden solten faren, vnd richtaten sich zue vnd liessen ain truhen machen zu ïrm gwant. Da muest man lang mit vmb gen vnd klokchten vncz in die achtet [sic!] stund. Vnd der mit mïr was, der kam auch in das frawn Zẏmer vnd traib sein kurczweil mit Junkchfraun. Nü lag ain wenig holcz vor dem ofen, da mit man In solt haiczen. Da parig er die feil vnder. Nu heten die knecht, die den Junkchfrawn dienten, Das ersehen vnder dem holcz vnd wuerden mit einander rawnen, Das erhort ich vnd sagt im das zu hant. Do erschrakcht er als hart, daz er die varib verkerat vnd nam sẏ da wider naher vnd parig sie anderswohin.

Vnd sprach zu mïr: „fraw, besecht, daz wïr Liecht haben”. Vnd ich pat ain alte frawn, daz si mïr ettlich kerczen gëb, Wenn ich vil zu petten hiet, wann es was an ainem Sambstag [20. Feber 1440] snachts, vnd was der nagst Sambstag nach aller mann faschang tag. Vnd nam die kerczen vnd parig die am weg. Vnd do nü die Junkchfraun vnd ẏeder man slaffen was, Do belaib ich in der klain stuben vnd ain alte fraw, Die ich mit mïr gefürt het, die kund ain wart nicht Deẅtsch vnd west auch vmb die sachen nicht, vnd het auch des Hawss kuntschaft nicht, vnd lag da vnd slief vast.

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