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Eine Demonstration gegen Stalinismus und Antisemitismus in Polen (13. März 1968)

Am 16. Januar 1968 verbot die polnische Regierung Adam Mickiewicz‘ Dramenzyklus Totenfeier, der gerade erfolgreich im Warschauer Nationaltheater aufgeführt wurde. Mickiewicz gilt als bedeutendster Dichter Polens und begründete im 19. Jahrhundert die polnische Romantik. Das Werk wurde als subversiv und antisowjetisch eingestuft und sollte daher am 30. Januar 1968 vorzeitig vom Spielplan genommen werden. An diesem Tag protestierten hunderte Studenten gegen die Entscheidung der Regierung und gerieten mit der Polizei aneinander. In den Wochen darauf wurden zwei an der Demonstration beteiligte Studenten – Adam Michnik und Henryk Szlajfer – aus politischen Gründen von der Universität Warschau verwiesen. Am 8. März 1968 kam es zu Protestkundgebungen von Warschauer Studenten aus Solidarität mit ihren verwiesenen Kommilitonen. Obwohl die Polizei zum Teil mit Tränengas und Gummiknüppeln gegen die Demonstranten vorging, wurden die Proteste auch in den folgenden Tagen mit einigen tausend Teilnehmern fortgesetzt und weiteten sich nach Lublin und Krakau aus. Mit kaum verhohlenem Antisemitismus wurden von Seiten der regierenden Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei und der von ihr kontrollierten Presse Polen jüdischen Glaubens als Initiatoren der Proteste beschuldigt. In West-Berlin organisierten daraufhin am 13. März 1968 Studenten- und Jugendorganisationen einen Demonstrationszug vom Kurfürstendamm zur polnischen Militärmission im Grunewald. Das auf dem Bild zu sehende Plakat des „Jüdischen Arbeitskreises für Politik Berlin“ richtet sich gegen „Stalinismus in Polen und antisemitische Pogromhetze“ des polnischen Ministerpräsidenten Jósef Cyrankiewicz.

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Eine Demonstration gegen Stalinismus und Antisemitismus in Polen (13. März 1968)

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