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August Becker: Auszüge aus Die Pfalz und die Pfälzer (1858)

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Auffallend ist bei aller Intelligenz des pfälzischen Volkes das geringe Interesse an dem geistigen Bestreben auf dem Gebiete der Kunst. Hier wird der Mangel einer größeren Stadt ganz besonders fühlbar, wo sich die Kräfte des Landes konzentrieren könnten. Ein Pfälzer, welcher sich der Kunst widmet, hat von vornherein die schwierigste Stellung. Er muß ebensowohl mit der geringen Achtung seiner eigenen Landsleute für solche „unrentablen" Dinge, ja wohl auch mit Spott und Hohn kämpfen, als mit dem Vorurteil der Welt draußen, welche noch nicht viel von dem künstlerischen Vermögen der Rheinpfälzer vernommen hat und ihnen überhaupt keines zuzutrauen geneigt ist. Der Rheinpfälzer, der es gewagt, den Weg der Kunst einzuschlagen, wird bei seiner Selbständigkeitsliebe, seiner angeborenen Gradheit und Offenheit ohnedies den härtesten Kampf gegen Clique und Coterie kämpfen müssen, die seiner in der Welt draußen warten. Man sorgt schon dafür, draußen und daheim, daß ihm der eingeschlagene Weg nicht zu leicht wird. Aber so sehr zu wünschen wäre, daß die warme, milde Sonne der Pfalz endlich auch für die Kunst scheine, bewahre doch Gott das schöne Land vor Treibhäusern der Kunst!



Quelle: August Becker, Die Pfalz und die Pfälzer. 1858; Neudruck, Kaiserslautern: E. Lincks-Crusisu Verlag, 1961, S. 13-17, 30, 31-32.

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