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Jakob Marx über die Ausstellung des heiligen Rockes in Trier (1844)
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Reiche, ohne sich selber binden zu lassen. In dieser Einheit war unser Fest ein Bild der katholischen Kirche, die so in gleichem Glauben, in gleicher Eintracht und Gottesverehrung vereinigt gesehen haben. Einheit des Glaubens ist ein Erfordernis der Göttlichkeit desselben, ist ein Merkmal seiner Wahrheit. Dies Merkmal trug der Glaube, welcher unser Fest hervorgebracht und so glänzend gemacht hat, an seiner Stirne. Aber er trug auch das Merkmal der Heiligkeit in sich, die Liebe nämlich, ohne welche der Glaube tot ist. Alle Pilger auf dem Feste waren ihres Glaubens froh, waren oft begeistert in Glaubensfreudigkeit; und doch, wer hat je Liebloses gegen Andersgläubige bei ihnen gesehen oder gehört, wer von verletzenden Angriffen auf den Glauben und den Kultus anderer Konfessionen in den Predigten dieses Festes vernommen? Nicht die Spur davon ist irgend hervorgetreten. Das ist die Natur der Wahrheit und des rechten Besitzes, daß die, auf deren Seite sie sind, sich freuen können, ohne andre zu betrüben und zu beeinträchtigen, daß sie ihr Eigentum mit Liebe umfassen und aufrecht erhalten können, ohne andre in ihren Rechten zu kränken, und, im Kampfe für die Sache, gegen die Personen sich wenden zu müssen. Das ist das traurige Erbteil derjenigen, welche sich auf die Verneinung gesetzt haben, und, in allem unter sich selber uneinig, nur in dem einen zusammentreffen, was nicht aus Gott, sondern aus dem Widersacher, dem Verneiner von Anbeginn her abstammt.



Quelle: Jakob Marx, Geschichte des heil. Rockes in der Domkirche zu Trier. Trier: Lintz, 1844.

Aus: Wolfgang Schieder, Religion und Revolution: Die Trierer Wallfahrt von 1844. Vierow bei Greifswald: SH-Verlag, 1996, S. 80-86.

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des SH-Verlags, Vierow bei Greifwald.

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