GHDI logo

Prinz Kraft zu Hohenlohe-Ingelfingen: Betrachtungen über den Zustand der österreichischen Armee (1854)

Seite 5 von 5    Druckfassung    zurück zur Liste vorheriges Dokument      nächstes Dokument


Die Uebungen mit gemischten Waffen zeigten sowohl die Leitung wie die Führung in einem Zustande der Kindheit, der mich überraschte. Es wurde von der oberen Leitung her beiden Parteien Alles vorgeschrieben und der Sieg vorher bestimmt, nicht aber durch Schiedsrichter von den Maßregeln der Führer abhängig gemacht. Daraus entstanden ergötzliche Manöverbilder. Z. B. die Generalidee besagte: das Nordkorps vertheidigt die Position N. N. und besetzt sie mit dem verstärkten rechten Flügel. Das Südkorps greift die Position an.

1. Moment: unglücklicher Angriff seitens des Südkorps gegen den feindlichen rechten Flügel.

2. Moment: Gelungener Angriff gegen den feindlichen linken Flügel u. s. w.

Die Folge war, daß beim ersten Angriff der Angreifer sehr wenig Truppen verwandte, weil es ja ein unglücklicher werden sollte, damit nicht so viele Bataillone denselben Weg zweimal machen müßten und daß beim Beginn des zweiten Angriffes der Vertheidiger die vortreffliche Artillerieposition gleich räumte, weil ja der Angriff gelingen werde und dann die Artillerie in Verlegenheit kommen könnte.

[ . . . ]

Quelle: Prinz Kraft zu Hohenlohe-Ingelfingen, Aus meinem Leben: Aufzeichnungen des Prinzen Kraft zu Hohenlohe-Ingelfingen, Hg. Arved von Teichman und Logischen. Berlin: Ernst Siegried Mittler und Sohn, 1897-1907, Band 1, S. 257-59, 280-82.

erste Seite < vorherige Seite   |   nächste Seite > letzte Seite