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Auszug aus des Bischof von Galens Predigt (3. August 1941) und Regierungskorrespondenz im Zusammenhang mit Galens Rede und Strafanzeige (12./13. August 1941)

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II. Regierungskorrespondenz im Zusammenhang mit Galens Rede und Strafanzeige (12./13. August 1941)


Abteilungsleiter Propaganda
Berlin, den 12. August 1941
Dem Herrn Reichsminister fuer Propaganda und Volksaufklaerung
Betrifft Katholische Aktion.

Ende Juli und Anfang August haben mehrfach Zusammenkuenfte eines engeren Gremiums der Fuldaer Bischofskonferenz stattgefunden. Auf diesen Zusammenkuenften ist beschlossen worden, in schaerfster [sic] Opposition zu treten. Die Ausfuchrungen dieser Beschluesse zeichnen sich ab in drei Hirtenbriefen des Bischofs Graf von Galen aus Muenster. In den Hirtenbriefen vom 13. und 20. Juli griff der Bischof in sehr scharfen Worten die Geheime Staatspolizei wegen Schliessung verschiedener Kloester der Jesuiten und der Missionsschwestern der Unbefleckten Empfaengnis an und bezeichnet die Beamten der Geheimen Staatspolizei als Diebe und Raeuber. Erbringt dann mit diesen Beschlagnahmungen die mehrfache Bombardierung der Stadt Muenster in Verbindung und bezeichnet dies als eine gerechte Strafe des Himmels fuer die Untaten der Geheimen Staatspolizei. Er verherrlicht in den Hirtenbriefen den Pfarrer Niemoeller und versucht sich des Vorwurfs der Stoerung der Volksgemeinschaft dadurch zu entziehen, indem er behauptet, dass allein die Geheime Staatspolizei die Volksgemeinschaft zerstöre.

Nach diesen Angriffen gegen staatliche Dienststellen, die in Form und Inhalt schaerfer sind als die frueher versteckt vorgetragenen Vorwuerfe, hat der Bischof von Muenster am 3. August in einer Predigt an seine Dioezesanen den wohl bisher staerksten Angriff gegen die deutsche Staatsfuehrung vorgetragen, der seit Jahrzehnten ueberhaupt vorgekommen ist. Nachdem er zunaechst wiederum auf die Schliessung der Kloester und Ordenshaeuser eingeht, wendet er sich gegen durchgefuehrte Euthanasiemassnahmen an unheilbaren Geisteskranken. Er stellt zunaechst die Argumente gegen die Euthanasie auf und versteigt sich sodann zu folgender Behauptung:

"Ja, Buerger von Muenster, man ermordet ruecksichtslos verwundete Soldaten, da sie ja produktiv fuer den Staat nichts mehr leisten koennen. Mutter, auch dein Sohn wird ermordet, wenn er verwundet von der Front in die Heimat kommt." Er schliesst mit dem Bemerken, dass die Einwohner von Muenster die in Form englischer Bombenangriffe gekommene Gottesrache nicht verstanden haetten, und fordert seine Glaeubigen zur offenen Opposition auf, auch wenn sie sterben muessten.

Ich fuege in der Anlage den Originalwortlaut der Predigt zur Kenntnisnahme bei.

Die Behauptung des Bischofs von Muenster, verwundete Soldaten werden von Euthanasiemassnahmen bedroht, ist bereits im April d.Js. in mehrfachen Sendungen des Londoner Rundfunks ausgestreut worden. Das Verhalten des Bischofs ist qualifizierter Landesverrat.

Es ist zu befuerchten, dass diese Predigt und die Aeusserungen des Bischofs durch Mundpropaganda in weiten Teilen des Reiches, insbesondere in der katholischen Bevoelkerung, bekannt und auch geglaubt werden. Darueber hinaus besteht die Befuerchtung, dass diese landesverraeterischen Behauptungen auch in der protestantischen Bevoelkerung Eingang finden, insbesondere in den Familien, die einen Angehoerigen an der Front haben.

Staatspolizeiliche Massnahmen gegen den Bischof von Muenster duerften kaum von Erfolg sein; denn bei einer Verhaftung und Aburteilung wuerde der Bischof von der Kirche als Maertyrer hingestellt werden und andere Bischoefe und Geistliche wuerden seine Behauptungen wieder aufnehmen. Am zweckmaessigsten waere eine Aufklaerung der Bevoelkerung ueber unsere Massnahmen bezueglich der Euthanasie, wobei ich mir darueber klar bin, dass der gegenwaertige Zeitpunkt dafuer recht ungeeignet ist. Die Art und Weise, wie der Bischof von Muenster die Aktion vorbereitet hat, laesst befuerchten, dass er mit seinen Angriffen nicht nachlassen wird, wenn von uns nichts unternommen wird, ein erheblicher Stimmungseinbruch, insbesondere im katholischen Volksteil, bevorsteht.

Ich habe beim Reichsministerium fuer die kirchlichen Angelegenheiten angefragt, wie man dort ueber die Sache denkt. Als Antwort wurde mir zuteil, dass dort bisher leider der authentische Text der Predigt nicht bekannt sei. Die Predigt stammt vom 3. August.

Ich bitte den Herrn Reichsminister um Entscheidung, ob ueber Gruppenfuehrer Bormann beim Fuehrer angefragt werden soll, ob die seitherige Tarnung der Euthanasie gelockert werden kann, damit, auf Grund der dann einsetzenden Aufklaerung der Bevoelkerung, eine Abwehr gegen die landesverraeterischen Behauptungen des Bischofs von Muenster eingeleitet werden kann.

Heil Hitler!

Anlage.

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